Willkommen im Studio fünf!

Die Frage nach meinem Schaffen kann ich in mit einem Satz beantworten:

"Was kann ein Maler über sein Werk sagen - außer es betrachten zu lassen!"

Es wäre dem Besucher gegenüber nicht fair, es bei diesem lapidaren Satz zu lassen. Oft scheint es, dass unsere Zeit sich mehr für den Künstler als für die Kunst interessiert, glauben doch viele Leute, dass die Persönlichkeit viel eher als das Kunstwerk die eigentliche Schöpfung des Künstlers sei. Für jede Ausstellung erwartet man eine "Erklärung" des Künstlers. Sicherlich haben die Künstler oft viel interessantes zu sagen und nie zuvor wurden sie dermaßen über ihre eigene Persönlichkeit und ihr Werk befragt.

Da ich im allgemeinen eine Abscheu davor habe, in Kategorien eingeteilt zu werden, möchte ich auch nicht mehr über mich, bzw. mein Werk sagen, als erforderlich ist.

Was also denke ich, warum male ich so und nicht anders, was ist meine Vorstellung?

Mir geht es beim Malen um die Interpretation von Ideen, die von der Wirklichkeit weit entfernt sind. Ideen die weit hinaus ins Unbekannte reichen, in Tiefen dringen, die jenseits unserer Erfahrung und Vorstellungsmöglichkeit liegen, also transzendent sind.

Man kann mir entgegenhalten, dass etwas, was jenseits unserer Erfahrung liegt, absolut nicht interpretierbar sei. Und weil es nicht interpretierbar ist es ja auch transzendent.

Irrtum!

Was ich male ist ja nicht das Ding an sich, nicht der Gegenstand, das Objekt, das Greifbare, sondern das Unfassbare und Unbegrenzte zwischen dem Ding und mir.

Diese subjektiven Bilder entstehen nicht durch Anschauung und nicht aus der Vorstellung, sie werden vielmehr aus dem inneren Widerhall geboren. Der Geist also schafft die Symbole und stellt so für sich eine Beziehung zwischen sich und dem Unbekannten her.

Gleichzeitig ist Malen eine Art Sprache für mich und geht zyklisch vor sich, aus der Außenwelt, vom nicht Vorstellbaren, von dem was jenseits unserer Erfahrungen liegt, in die Innenwelt.

Malerei ist also eine Sprache, aber eine sichtbare Sprache und muss folglich auch in den eigenen Begriffen der Malerei - Farbe, Form, Linie, Punkt, Volumen - ausgedrückt werden, sonst ist sie kaum mehr als dekorativ oder illustrativ.

Deshalb ist es an sich bedeutungslos, bis zu welchem Grad oder auf welche Art sich der Maler zum Realismus oder zur Abstraktion hingezogen fühlt. Ich bin überzeugt, dass die Version des Künstlers seinem gesamten Erleben geistiger Art, der Wechselwirkung zwischen seinem Ich und dem was jenseits unserer Vorstellungsmöglichkeit und Erfahrung liegt, entspringen.

Für meine Bilder sind Begriffe wie "Abstrakt", oder "Gegenstandslos" nicht anwendbar. Es handelt sich dabei vielmehr um Zeichen, um Diagramme von Energie und Kraftfeldern die von Außen in meinem Geist einströmen und die die spontanen Regungen des Seelischen auslösen.

Man hat mich wiederholt als einem "Abstrakten Expressionisten" bezeichnet, doch ist dies ein Begriff, der nicht viel aussagt. Es ist richtig, dass meine Werke in ihrer Form und Farbgebung spontan und ungebunden sind, dennoch versuche ich, eine gültige, dem unsteten Charakter unseres heutigen Lebens entsprechende Ausdrucksform zu finden und wenn es sein muss, über das Experiment.

Somit ist meine Art zu malen eine neue Art Wirklichkeit und als solche eine mögliche Basis, auf welcher der Künstler die typischen Merkmale unserer Zeit vielleicht besser erfassen kann als durch die traditionelle Formsprache.

Das Geheimnis in der Malerei, die Stille und das Schweigen faszinieren mich mehr, als das objektiv Darstellende, das Laute und das Marktschreierische.

Deshalb liebe ich Farbe neben Farbe, Form neben Form.

Wie ich bereits sagte: "Der Geist schafft Symbole und stellt so für sich eine Beziehung zwischen sich und dem Unbekannten her."

Diese Symbole allein, die der Geist in die Wirklichkeit zu übertragen und in ein neues Energiezentrum zu verwandeln vermag, ist des Menschen Anteil an der Entwicklung der Kunst.

Hape Klotzbach

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